Geburtsvorbereitung, Geburt, Rückbildung, Bauch
Geburtsvorbereitung

Jede Schwangerschaft ist begleitet von einem Wechselbad der Gefühle. Freude, Ängste, Hochs und Tiefs kommen und gehen. Das erste Drittel ist geprägt durch eine starke Konzentration nach innen, das Stadium der körperlichen Anpassung und der Auseinandersetzung mit der neuen Situation. Freude über die gelungene Befruchtung, aber auch Unsicherheit darüber, ob der Embryo gesund ist, wechseln ab mit beschwerlichen Tagen und zärtlichen Stunden zu zweit. Erst im zweiten Drittel, dem so genannten Stadium des Wohlbefindens, wenn die Kindsbewegungen spürbar werden und die Lebensplanung konkrete Formen angenommen hat, konzentrieren sich die Gedanken Richtung Geburt. Wie möchte ich mich oder wie möchten wir uns auf diesen einmaligen Tag vorbereiten? Welche Art der Geburtsvorbereitung passt zu mir und meinem Partner? Genügt es uns, Bücher zu lesen oder Erfahrungsberichten anderer Paare zuzuhören? Oder sagt uns eher die Begleitung durch eine Geburtsvorbereiterin zu? Folgende Tipps sollen Ihnen eine Entscheidungshilfe bieten, sichern Sie sich durch eine frühzeitige Anmeldung einen Kursplatz, damit Sie im Zeitraum der 20.-30. Schwangerschaftswoche mit der Geburtsvorbereitung beginnen können.

Ort der Begegnung

Eine sorgfältig ausgewählte und für Sie geeignete Geburtsvorbereitung ist aus verschiedenen Gründen sehr zu empfehlen. Dank kompetenter und umfassender Informationen rund um Schwangerschaft, Geburt und die darauffolgenden Wochen werden Ihnen viele Ihrer Unsicherheiten genommen und Ängste abgebaut. Zudem kommen Sie in engen und bereichernden Kontakt mit anderen Schwangeren und profitieren von einem regen Gedanken- und Gefühlsaustausch in lockerer Atmosphäre. Oft entwickeln sich aus diesen Begegnungen intensive und langjährige Freundschaften! Zur Kostenübernahme: Die Versicherung übernimmt mindestens CHF 100.– der Kurskosten.

Kursaufbau

Eine umfassende Geburtsvorbereitung beinhaltet Gymnastik, informative theoretische Teile und praktische Abschnitte, Anleitungen zum fördern der Körperwahrnehmung, Massagen, Dammvorbereitung, Lagerung und seelische und körperliche Entspannung. Das Ungeborene steht im Mittelpunkt und wird mit einbezogen.

Schwangerschaft

Gymnastik zur Anregung des Kreislaufs und Stoffwechsel zur Erhaltung und Förderung der Beweglichkeit. Rückengerechtes Verhalten im Stehen, Sitzen und Bücken.
Im Kurs werden folgende Themen angesprochen: spezielle Anatomie, körperliche Veränderungen in der Schwangerschaft bis zu Anzeichen des Geburtsbeginns, Dammvorbereitung, Partnerschaft und Sexualität während der Schwangerschaft. Was sind schwangerschaftsspezifische Beschwerden und Erkrankungen (Schwangerschaftsvergiftung(Gestose)), wie können diese verhindert und therapiert oder gemacht werden. Die richtige Ernährung der Schwangeren trägt viel zum Wohlbefinden bei. Der Kurs bietet Raum für alle Fragen zu Beschwerden und Unsicherheiten während Ihrer Schwangerschaft. Kursleiterinnen können mit Tipps und Tricks weiterhelfen und Sie kompetent beraten.

Geburt

Ein grosser Teil des Kurses ist der Geburt gewidmet. Die natürliche Geburt und deren Abweichungen, sowie der Kaiserschnitt werden angesprochen. Der Geburtsverlauf wird verständlich und nachvollziehbar anhand von Präsentationen, Film- und Anschauungsmaterialien (Puppe, Becken, Beckenbodenmuskulatur, geburtshilfilche Gebrauchsgegenstände wie Blasensprenger, Katheter für rückenmarksnahe Anästhesien etc.) erklärt. Wie empfangen Sie Ihr Kind (Bonding) optimal, unabhängig welchen Geburtsmodus das Kind gewählt hat.
In den praktischen Teilen erlangen Sie eine optimale Körperwahrnehmung. Wie gehen sie mit Schmerzen um? Verschiedenen Positionsmöglichkeiten für die Eröffnungs- und Austreibungsphase werden gezeigt und ausprobiert.
Eine geführte Entspannung ist Wohlbefinden für Seele und Körper. Während der Mediation wird die Aufmerksamkeit auf das Ungeborene gelenkt. «Loslassen-Können» während und zwischen den Wehen ist die Voraussetzung für eine natürliche Geburt. Die bewusste Atmung, anstrengungslos dem Geburtsablauf angepasst, hilft beim Loslassen und wiegt das Kind im Mutterleib und durch Geburtskanal. Die werdende Mutter kann ein starkes Vertrauen in die Fähigkeiten ihres Körpers aufbauen. Sie und Ihr Partner eignen sich gleichzeitig so viel theoretisches Wissen über den Geburtsablauf an, dass Sie es für ihre Bedürfnisse einsetzen können. Ist der werdende Vater immer oder teilweise in der Geburtsvorbereitung anwesend, kann er als «Sprachrohr der Gebärenden» eine wichtige Position während der Geburt übernehmen. Es ist auch eine Zeit der Kontaktaufnahme mit dem Ungeborenen, dem Gedanken- und Gefühlsaustausch und der innerlichen Vorbereitung auf den Tag der Geburt, an dem sich der Körper der Mutter öffnet, um das Kind zu gebären.

Wochenbett

Ein Teil des Kurses beschäftigen uns Themen wie Wochenbett, Sexualität nach der Geburt, hormonelle und psychische Veränderungen, Elternsein, Wundheilung, Ernähren des Neugeborenen, das Stillen, Beckenbodentraining, Rückbildungsgymnastik, Wiedereinstieg in den Beruf. Die Kursleiterin ist bereit, auf ihre Bedürfnisse einzugehen.


Alleine oder zu zweit?

Möchten Sie einen Kurs für Paare besuchen oder ziehen Sie einen Frauenkurs vor, bei dem der Partner nur während einzelnen Lektionen einbezogen wird? In einem reinen Frauenkurs kann die Atmosphäre weniger gehemmt sein und die Frauen können sich eventuell besser auf sich selbst konzentrieren. Andererseits kann es sehr schön sein, gemeinsam mit dem Partner diesen Weg zu gehen und sich zu zweit auf das grosse Ereignis vorzubereiten. Zudem erleichtern Kenntnisse über das Geburtsgeschehen die psychologische und körperliche Unterstützung durch den Partner. Optimal vorbereitete Partner können der Gebärenden eine hilfreiche Unterstützung bieten.

Kurszeiten und Gliederung

Nach Rücksprache mit ihrer ärztlichen Betreuung können Sie ab der 20. Schwangerschaftswoche mit einem Kurs starten. Die meisten Kurse bestehen aus 8–12 Einheiten à 1–1,5 Stunden. Sie sind eine Begleitung durch die Schwangerschaft, die viele werdende Eltern schätzen. Zunehmend werden auch Kompakt- und Wochenendkurse angeboten, die auch später in der Schwangerschaft besucht werden können. Geeignet für Paare, welche intensiv oder unregelmässig berufstätig sind oder sich beruflich oft im Ausland aufhalten und für Mehrgebärende. Privatstunden sind auch ideal für Risiko Schwangerschaften, oder für Fremdsprachige. Allerdings sind diese Stunden teurer als ein regulärer Kursbesuch. Einige Geburtsvorbereiterinnen bieten Kurse für Zweit- und Mehrgebärende an, in denen schon Erfahrenes aufgefrischt wird und die werdende Mutter oder Paare in einer ruhigen Umgebung die Möglichkeit findet, sich ganz auf sich selbst und Ihr Baby im Bauch zu konzentrieren. Besteht das Bedürfnis nach mehr Bewegung, kann die Kursleiterin Schwangerschaftsgymnastik integrieren.
Ein Geburtsvorbereitungskurs kann auch durchlaufend, d.h. ohne Anfang und Abschluss sein. Vorteil: Sie können jederzeit einsteigen, auch wenn Sie sich erst spät für eine Teilnahme entscheiden. Nachteil: Die
Zusammensetzung der Gruppe ändert sich oft, es ist schwierig, Kontakte zu knüpfen und es fehlt der Kursaufbau. Die andere Variante ist der Kompaktkurs mit fixem Anfang und Ende. Vorteil: Der chronologische Aufbau. Es entstehen Vertrauen und gute Kontakte unter den Teilnehmerinnen. Nachteil: Sie müssen unter Umständen warten, bis ein neuer Kurs beginnt. Deshalb ist eine frühzeitige Orientierung und Anmeldung von Vorteil.

Kursangebote

Das Angebot an Geburtsvorbereitungskursen wird ständig erweitert. Einerseits können Sie als werdende Mutter das aussuchen, was Ihnen am ehesten entspricht, andererseits kann diese Vielfalt Sie auch verunsichern. Haben sie sich für eine Geburt mit Belegteam (Hebamme und Arzt/Ärztin) entschieden, ist es ein Vorteil die Vorbereitung auch mit ihrem Team realisieren. Im Folgenden erläutern wir Ihnen die üblichsten Arten der Geburtsvorbereitung in der Schweiz genauer. Eventuell kann Ihnen eine Schnupperstunde bei der Entscheidung helfen. Fragen Sie die entsprechende Kursleiterin, ob diese Möglichkeit bei ihr besteht.

Verschiedene Methoden

Grantly Dick Read, ein englischer Geburtshelfer, machte sich um 1960 als erster Gedanken über eine nicht medikamentöse Schmerzerleichterung während der Geburt. Read war überzeugt, dass die Ursache des Geburtsschmerzes nicht nur physiologischer sondern auch psychologischer Natur sei. Eine gute Aufklärung der Schwangeren, Entspannung und bewusstes Atmen verkleinere Ängste, weniger Angst habe weniger Anspannung zur Folge und somit könne die Intensität des Wehenschmerzes gedämpft werden. Er hat auch als Erster die wichtige Rolle des Vaters bei der Geburt berücksichtigt.
Fréderik Leboyer, ebenfalls Geburtshelfer, stellte als Erster das Kind in den Mittelpunkt. Ihm war die sanfte Geburt ein zentrales Anliegen. Er legte mehr Gewicht auf die Art, wie ein Neugeborenes empfangen wird, als auf eine ausführliche Geburtsvorbereitung der Mutter. Die psychosexuelle Geburtsvorbereitung nach Sheila Kitzinger – Ihnen vielleicht bekannt durch ihre Bücher über das Stillen – stellte den werdenden Vater in den Vordergrund. Die Wichtigkeit seiner Rolle in der Schwangerschaft als umsorgender Partner, während der Geburt als einfühlsame Begleitperson und nach der Geburt als liebevoller Vater. Sie versuchte, gegen den Trend der Technisierung und Medikalisierung zu arbeiten und Schwangerschaft und Geburt wieder als ein natürliches Geschehen in den Mittelpunkt zu rücken. Ruth Menne schliesslich, eine deutsche Krankengymnastin, griff die Ansätze von Read, Leboyer und Kitzinger auf und entwickelte sie weiter. Schwerpunkte dabei sind das Erspüren- und Verstehenlernen des Körpers, der in «anderen Umständen» ist, das Wecken der Gebärinstinkte, das Heranführen an aufrechte Gebärpositionen und das Kennenlernen der Hilfen beim Bewältigen des Geburtsprozesses. Geburtsvorbereiterinnen bieten heute meist eine Mischung der verschiedenen geburtsvorbereitenden Ansätze an, die sie selbst gelernt haben und fundiert vertreten können.

Vorbereitung im Wasser

Die Geburtsvorbereitung im Wasser ist nicht nur für Frauen geeignet, die im Wasser gebären möchten, sondern für alle, ob Schwimmerin oder nicht, die das Urelement Wasser mögen. Der theoretische Teil einer Geburtsvorbereitung findet an Land statt. Bewegungs-, Atmungs- und Entspannungsübungen finden im ca. 34°C warmen Wasser statt, Schwerelosigkeit, erhöhte Mobilität und die Schonung der Gelenke sind die Vorteile des Wassers.

Yoga

Bei Yoga für werdende Mütter geht es nicht so sehr um eine äussere Form oder Haltung, sondern vielmehr um eine innere Haltung. Diese zu stärken und weiterzuentwickeln kann von grossem Vorteil für die Schwangere und ihr Kind sein. Unter der Anleitung einer erfahrenen Yogalehrerin können einfache Techniken erlernt werden, die zu einer grösseren inneren Ruhe und Ausgeglichenheit führen. Spezielle Atemübungen (Pranayama) für Schwangere haben nebst dem körperlichen Nutzen auch eine beruhigende Wirkung auf den Geist. Durch richtiges Atmen wird das Nervensystem entspannt und der Körper mit neuer Energie aufgeladen. Nicht umsonst ist die Be- deutung des Wortes «Prana» mit Lebensenergie zu übersetzen. Die Yoga-Körperstellungen (Asanas) helfen, den Körper besser wahrzunehmen und auf Veränderungen einzugehen. Sie haben eine vitalisierende Wirkung und sorgen dafür, dass die Organe gut durchblutet, die Wirbelsäule flexibel und die durch das Gewicht des wachsenden Babys stärker beanspruchten Bänder und Sehnen gekräftigt werden. Durch tägliches Üben wird der Körper geschmeidiger und widerstandsfähiger. Eine harmonische Atmung während dem Ausführen des Asanas ist von grosser Bedeutung, weil sonst die Übungen nur der körperlichen Fitness dienen und eine tiefere Wirkung ausbleibt. In der Yoga-Philosophie sind das Annehmen und das Loslassen wichtige Bestandteile. Diese in die Schwangerschaft zu integrieren, die neue Situation anzunehmen und zugleich loszulassen, um neuem Leben Raum zu schenken – das ist ein Ziel im Yoga für Schwangere.